In Würde Altern
Viele Dinge, die wir früher noch selbstständig erledigt haben, stellen einen im Alter plötzlich vor unlösbare Aufgaben. Auch wenn man nicht mehr arbeiten muss, bleibt der Anspruch an sich selbst oft der gleiche.
Funktionen, die einen mit Stolz und Selbstwert erfüllt haben, fallen weg. Das hohe Alter kann entmutigen. Wichtig dabei ist, sich selbst nicht auf diese auftretende Leere zu reduzieren.
Dafür kann schon vor dem Eintritt in das Rentenalter gesorgt werden, indem wir uns öfters auf das besinnen, wofür überhaupt gearbeitet wird. Ist es die Arbeit selbst, oder eher die eigene Familie, der man damit etwas bieten wollte? Und wenn das so ist, warum genügt die Familie dann jetzt nicht mehr? Bevor die Entscheidung dieser Frage von außen erzwungen wird, sollte man sich vorher entschieden haben, wie stark unser Selbstbild von der Leistung im Beruf abhängt und wessen Anerkennung wir gesucht haben. Echtes Selbstbewusstsein ist nicht autoritär, sondern autark und anderen zugewandt.
Noch schwieriger wird es, wenn wir dann noch eine Pflegestufe beantragen müssen. Viele Senioren plagen ab diesem Zeitpunkt sogar Schuldgefühle. Das ist aber keine Frage von Schuld. Wir müssen Abhängigkeiten immer wieder neu akzeptieren, um uns unser Leben zu bewahren; nicht nur im Alter. Solange man jederzeit sich selber darstellen kann, fällt man niemandem zur Last. Wer es schafft, den Verlust von Autonomie nicht nur zu verdrängen, sondern zu verschmerzen, der bleibt ein Menschenfreund und sich selber in Würde treu.